Impfung

COVID-19 Schutzimpfung

In Deutschland haben im Dezember die Impfungen zum Schutz vor COVID-19 begonnen. Einen Faktencheck der DGHO (Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie) zur Impfung und weiteren Themen um SARS CoV2 finden Sie HIER.

 

 

COVID-19 Schutzimpfung bei AA/PNH

Einschätzung zur Impfung von AstraZeneca bei Patienten mit AA/PNH von Frau Dr. med. Britta Höchsmann, Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik Ulm, Universitätsklinikum Ulm

Der positive Aspekt der verschiedenen Änderungen zur AstraZeneca-Impfempfehlung durch die Ständige Impfkommission ist das Bemühen durch die kontinuierliche Prüfung der Sachlage das Risiko des Einzelnen so gering als möglich zu halten.

 

Bislang gibt es keine weitere spezifische Empfehlung für Patienten mit AA oder PNH, die von einer Verwendung des AstraZeneca-Impfstoffes bei diesen Patientengruppen abraten. 

 

Es gibt eine aktuelle Stellungnahme der DGHO vom 30.03.2021:

 

„Es wurde auch über arterielle und venöse Thrombosen in anderen Organen berichtet. Hierbei ist derzeit unklar, ob es sich ebenfalls um Nebenwirkungen oder um zeitlich koinzidente Ereignisse handelt. So ermittelte die Medicines & Healthcare products Regulatory Agency (MHRA) in Großbritannien auf der Basis von geschätzt 13,7 Millionen mit der AstraZeneca-Vakzine durchgeführten Schutzimpfungen keine erhöhte Inzidenz venöser Thrombembolien [4]. Zur selben Schlussfolgerung kam das Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA.

Dr. med. Britta Höchsmann
Dr. med. Britta Höchsmann

Diese schweren Gerinnungsstörungen sind sehr selten, die genaue Häufigkeit ist unklar. Das PRAC der EMA hat die Unterlagen von 7 DIC-Patient*innen und von 18 CVST-Patient*innen ausgewertet. Im Moment besteht der Eindruck, dass die Aufmerksamkeit für diese Komplikation auch die Rate berichteter Fälle steigert. Es gibt bisher keine Hinweise, dass Patient*innen mit vorbestehenden, hereditären oder erworbenen Gerinnungsstörungen ein erhöhtes Risiko für diese Komplikationen haben.“

 

https://www.dgho.de/publikationen/stellungnahmen/gute-aerztliche-praxis/coronavirus/astrazeneca-vakzine-gerinnungsstoerungen-20210330.pdf

 

Die Empfehlung der GTH (Gesellschaft für Thrombose- und Homöostaseforschung e.V.) vom 29.03.2021 empfiehlt ebenfalls kein spezielles Vorgehen:

 

https://gth-online.org/wp-content/uploads/2021/03/GTH-Stellungnahme-AstraZeneca_3-29-2021.pdf

https://gth-online.org/

 

Die EMA Europäische Arzneimittelbehörde) sieht aktuell -bis auf die Notwendigkeit weiterer Auswertungen- bei 35 Fällen bei 20 Millionen geimpfter in Europa  keinen Handlungsbedarf:

 

“These are rare cases – around 20 million people in the UK and EEA had received the vaccine as of March 16 and EMA had reviewed only 7 cases of blood clots in multiple blood vessels (disseminated intravascular coagulation, DIC) and 18 cases of CVST. A causal link with the vaccine is not proven, but is possible and deserves further analysis.”

 

https://www.ema.europa.eu/en/news/covid-19-vaccine-astrazeneca-benefits-still-outweigh-risks-despite-possible-link-rare-blood-clots

 

Die EBMT (European Society for Blood and Marrow Transplantation) empfiehlt, dass Patienten nach SZT/KMT COVID geimpft werden sollen. Wenn es eine Wahl gibt, wäre eventuell ein mRNA-Impstoff vorzuziehen, auch wenn es bislang keine Daten gäbe. Man solle aber mit der Impfung nicht warten, wenn kein mRNA-Impfstoff verfügbar sei.

 

Wichtig ist aus unserer Sicht, dass die Patienten zur Impfung in jedem Fall ein aktuelles Blutbild und einen Arztbrief mitbringen.

 

Prinzipiell ist durch das Vorgehen der ständigen Impfkommission die Frage des Impfstoffs zunächst bei einem Großteil der Patienten geklärt. In Bezug auf das künftige Vorgehen sind neben den vorhandenen „offiziellen Register“ die Rückmeldungen der Patienten wesentlich. Daher sind die Bestrebungen die Patienten zu aktivieren, Ihre Erfahrungen  mit der COVID- Impfung zu teilen, wesentlich. Hier würde ich bitten, mich auf dem Laufenden zu halten. Insgesamt bedeutet das, dass für AA-/PNH-Patienten weiterhin zutrifft, was für alle anderen Menschen/Patienten gilt, und sich die Empfehlungslage auch angesichts dieser Berichte aktuell nicht geändert hat.

 

Für Patienten über 60 Jahre oder für die zweite Impfung (sollte bis dahin kein weiterer Erkenntnisgewinn vorliegen), erscheint mir die pragmatische EBMT-Empfehlung am sinnvollsten:  Sollte die Möglichkeit der Wahl bestehen, wäre ein mRNA-Impfstoff vorziehen. Man sollte aber mit der Impfung nicht warten, weil kein mRNA-Impfstoff verfügbar ist.

 

Dr. Britta Höchsmann

 

Die im Text eingefügten Empfehlungen der unterschiedlichen Fachgesellschaften können Sie Ihrem behandelnden Facharzt oder Hausarzt zur Information vorlegen.

Impfreihenfolge

Nach der aktualisierten Impfverordnung vom 08.02.2021 werden Patienten mit AA/PNH zur zweiten oder dritten Gruppe der zu Impfenden eingestuft. Ein Attest zur Bescheinigung der hohen Priorität (Einstufung in die zweite Gruppe) für die Impfung hat die DGHO als Vorlage erstellt. Wir empfehlen Ihnen, Ihren behandelnden hämatologischen Facharzt darauf hinzuweisen oder die Vorlage auszudrucken und ihm vorzulegen.

 

Patienten, die eine KMT/SZT erhalten haben, werden in die zweite Gruppe der zu Impfenden eingestuft.

 

Für weitere Informationen zur Impfreihenfolge verweisen wir an die Informationsseite des Bundesgesundheitsministeriums, die ständig aktualisiert wird.